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Aus der Orgelgeschichte in der Ritterkapelle

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Haßfurt. Hitze und Trockenheit machte 1921 Schlimbach-Orgel fast unbespielbar

Am Pfingstsamstag, 11. Juni um 16:30 Uhr, weiht Ulrich Boom die generalüberholte und restaurierte Schlimbach-Orgel in der Ritterkapelle. Damit beginnt ein neues Kapitel in der über 120 Jahre alten Geschichte dieses klangreichen und denkmalwerten Instrumentes. Ein Blick zurück zeigt die Verbindung von Lokalgeschichte und diesem Musikinstrument auf.

Fürstbischof Rudolf von Scherenberg (1466 – 1495) ließ die Westempore in die Ritterkapelle einziehen. Zu dieser Zeit dürfte wohl auch die erste Orgel mit in den Kirchenraum gebaut worden sein. Unterlagen von 1863 bis 1865 aus dem Haßfurter Stadtarchiv beschreiben dann sehr genau eine weitere „alte“ Vorgängerorgel in einem Briefwechsel des Bamberger Orgelbaumeisters Josef Wiedemann mit dem hiesigen Stadtmagistrat.

Eingangs seines vierseitigen Schreibens zu einer „gänzlichen Umarbeitung der Orgel in der Ritterkapelle zu Haßfurth“ stellt Orgelbauer Wiedemann fest: „Bei genauer Einsicht des Orgelwerkes ergab sich, daß dasselbe für die Dauer nicht mehr zu reparieren ist. Dasselbe ist sowohl in der Mechanik und dem Regierwerk ganz abgenützt, als auch in den Windladen, wo der Mißstand noch größer ist, ferner ist das Pfeifenwerk nach der ältesten Manier ganz unregelmäßig aufgestellt und in Folge dessen sehr verdorben, so daß hier eine theilweise Umarbeitung und eine gründliche Reparatur Statt finden muß. Endlich ist die Disposition selbst sehr mangelhaft ...“ Der Schriftwechsel bricht im Januar 1865 mit dem Stadtmagistrat ab ohne dem Bamberger Orgelbauer einen Arbeitsauftrag erteilt zu haben.

1890 schließlich erfolgt bei der Innenrenovierung des Kirchenraumes der Einbau eines völlig neuen Instrumentes durch die Würzburger Firma Balthasar Schlimbach. Das „alte barocke Orgelgehäuse“ – es soll zweigeschossig gewesen sein – wird entfernt. Es besaß eine „wunderliche Mechanik“: Auf den Abschlussgesimsen befestigte Engel flatterten beim Spielen mit den Flügeln.
Der neue Prospekt der Schlimbach-Orgel ist im neugotischen Stil in zwei Eichengehäusen angelegt, zierlich, feingliedrig, mit Fialen, Kreuzblumen, Krabben und Zinnen besetzt. Der Spieltisch steht in der Mitte zwischen den Gehäusen. So lassen die gotischen Emporenfenster natürliches Licht in den Raum und kommen selbst zur Wirkung.


Die Schlimbach-Orgel: Jahreszahlen, Ereignisse und Personen

1917: Mit Schreiben vom 26. April 1917 wird die katholische Kirchenverwaltung aufgefordert, die „Zinnprospektpfeifen aus der Ritterkapellen-Orgel zu entfernen und am Freitag, den 11. Mai 1917, an der Sammelstelle in Haßfurt (Rathaussaal) von Vormittag 9 bis 1 Uhr (für den Kriegsbedarf)...abzuliefern“. Der zuvor gestellte Antrag des Pfarramts, von der Ablieferungspflicht der Prospektpfeifen befreit zu werden, wird vom Königlichen Bezirksamt Haßfurt abgelehnt. Der Hofheimer Orgelbauer Eduard Hofmann entfernt die beschlagnahmten Prospektpfeifen „vorschriftsmäßig“, verschließt die „Ausblasöffnungen“ und liefert sie zum festgestzten Termin im Rathaus ab. Für seine Arbeitsleistung berechnet er der Stiftungskasse Ritterkapelle 35 Mark. Gleichzeitg erhält die „Orgelfonds-Kassa“ der Ritterkapelle für diese „Eigentumsübertragung“ einen Übernahmepreis von 891 Mark 17 Pfennig. Ersatz in Form eines neuen Zinkpfeifenprospektes liefert die Orgelbauanstalt Willibald Siemann & Co. aus München auftragsgemäß im Juli 1919. Sie übernimmt gleichzeitig notwendige Reparaturen am Werk, an der Intonation und an der Stimmung – Kosten 2.094,90 Mark. Ein „hilfeleistender Blasbalgtreter“ war während der Reparatur von der Pfarrei kostenlos „beizugeben“.

1921: Andreas Roll (Pfarrer in Haßfurt 1915 – 1925) berichtet zum Sommer dieses Jahres über die Hitze und ihre Wirkung auf die Haßfurter Orgeln: „Die andauernde Hitze machte das Holz porös und winddurchlässig, sodaß der Winddruck des Blasbalgs auf ein Minimum herabsank. Die Orgeln (wohl auch die Orgel der Pfarrkirche) sind kaum noch brauchbar. Es muß künftig feuchte Luft erzeugt werden durch Gießen und durch Aufstellen eines Wasserzubers in der Orgel.“

Josef Bretz, ein Haßfurter Orgelbauer: Zwei Rechnungen aus den Jahren 1933 und 1935 stellt Josef Bretz an das katholische Pfarramt in Haßfurt: für Reparatur einer Baßwindlade, für das Ausbessern der Traktur und Regulieren der nicht- und schlecht ansprechenden Pfeifen der Register :... intoniert und gestimmt. Die Rechnungsbeträge lauten einmal auf 10 RM und das andere Mal auf 12 RM.
Wer ist dieser Haßfurter Orgelbauer? Das zuständige Einwohnermeldeamt konnte bislang diese Frage noch nicht beantworten.

In den folgenden Jahren sind jeweils größere und kleinere Reparaturen an der Schlimbach-Orgel fällig, wie auch Teile zu ersetzen und das Instrument erneut zu stimmen. Die Orgelbauer Josef Bittner, Eichstätt und Josef Friedel, Hofheim, stellen derartige Arbeiten in Rechnung. Gerade vor den kirchlichen Hochfesten waren die Organisten froh und dankbar, wenn langanstehende „Notmaßnahmen“ aufgearbeitet wurden. „Die – die Organisten der Ritterkapelle - haben ja so gejammert“, weiß Norbert Krieger von der Retzbacher Orgelbaufirma zu berichten
Seit 2001 wartete diese Firma die Ritterkapellen-Orgel. Im einem Kostenvoranschlag spricht Krieger von gravierendsten Mängeln, die nur durch eine dafür notwendige Reparatur des Werkes auf Dauer zu beseitigen sind. Er erklärt dazu, dass viele Probleme der Orgel nur nach Ausbau, Zerlegung und Neumontage mit entsprechenden Maßnahmen behoben werden können (z. B. starke Klappergeräusche der Trakturen, alters- und verschleißbedinge Mängel, hohe Verschmnutzung mit daraus resultierenden Intonationsmängeln und Verstimmungen).

1990: Regionalkantor und Orgelsachverständiger der Diözese Würzburg, Rainer Aberle, kommt in einem Gutachen zur Ritterkapellen-Orgel zusammenfassend bereits zu folgendem Ergebnis: Abbau der Orgel und Transport in die Orgelwerkstatt; gründliche Überarbeitung und Ausreinigung der gesamten technischen Anlage ..; Rücktransport in die Kirche, Aufstellung, Intonationskorrekturen und Stimmung.

2007 - 2011: Andreas Hemmerlein, Orgelbaumeister aus Cadolzburg, erhält nach Vorlage seines „Kostenanschlags und seiner Konzeption zur Reinigung und Restaurierung der denkmalwerten 20-registrigen Schlimbach-Orgel von 1890 in der kath. Ritterkapelle zu Haßfurt“ den entsprechenden Arbeitsauftrag. Die Kostensumme der Maßnahme lag 2008 bei 70.600,00 € netto. Die technische Überarbeitung der Orgel beginnt im Oktober 2010. Witterungsbedingte Unterbrechungen der Arbeiten lassen die Fertigstelling der Restaurierungsarbeiten bis 10. Juni 2011 möglich erscheinen. Für die orgellose Zeit bis zur Orgelweihe stellt die Orgelbaufirma ein Tischpositiv (Nachbau eines barocken Instruments aus Siebenbürgen) bereit.

So ist es in diesen Tagen nicht verwunderlich, dass die Ritterkapelle während der Arbeitswoche für Besucher geschlossen bleiben muss, damit Orgelbaumeister Andreas Hemmerlein und seine Mitarbeiter termingerecht ihre Restaurierungsarbeiten am Orgelwerk abschließen können. Gläubige und Wallfahrer freuen sich wohl schon jetzt, den Klangreichtum der Schlimbach-Orgel alsbald vernehmen zu können.


Merk-Würdiges

Ina Maria Kudella, „Seit 50 Jahren Organistin mit Leib und Seele“, titelte die Heimatzeitung zu ihrem 80. Geburtstag 2002. Als Heimatvertriebene kam sie mit ihrem Bruder Armin nach Haßfurt und übernahm dann hier den Organistendienst in der katholischen Pfarrei. Auch ihren Bruder führte sie in das Orgelspiel ein, der sich im Selbstunterricht das Orgelspiel aneignete. Der frühere Stadtpfarrer Reinhold Schmitt lobte die 80-jährige Jubilarin für ihre große Treue, ihre beispielhafte Zusammenarbeit und für ihre große Liebe zur Orgelmusik. Aus gesundheitlichen Gründen konnte sie das Organistenamt nicht weiter ausüben. Im November 2003
verstirbt sie. Als ihr Nachfolger konnte Pastoralreferent Johannes Eirich als Kirchenmusiker gewonnen werden.

Eingetragen von Michael Derleth am 09.06.2011 19:43

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Pfarrei St. Kilian Haßfurt - letzte Änderung 30.01.2016